Vierzehn Malle-Diven

Ich hab lange überlegt. Sollich was schreiben? Wenn ja, was? Habich überhaupt Lust? Da der letzte Blogpost nu aber auch schon mehr als ein Jahr alt ist (habich wirklich ein Jahr lang Hosting-Gebühren bezahlt, ohne den Spaß hier zu benutzen?) und ich in letzter Zeit gewissen Zuspruch bekam, findet hier also mal wieder was statt. Und was taucht besser, um darüber zu berichten, als der sich nun hoffentlich einschleifende Gruppen-Urlaub in Fußballmannschafts-Stärke.

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Fußballmannschaft? Glatt gelogen. Mannschaft plus Stab. Es gab nämlich – und das war neu und veränderte alles – drei kleine Trainer (um diese Metapher weiter zu bedienen, könnte man sie auch Schiedsrichter nennen). So Typen, die sagen, wos lang geht. Alle tanzen nach ihrer Pfeife.

Aber am besten ganz von vorn: Vor zwei Jahren waren wir zu zwölft (nur Erwachsene) auf Mallorca (ich berichtete). Letztes Jahr gabs ja dann den Urlaub auf Sardinien (Frau berichtete). Die Gruppe war sehr dezimiert, einige der vormals mitgereisten Damen waren merkwürdig deformiert oder auf gutem Weg dahin… Es sollte sich herausstellen, dass zu unser aller Freude die Deformationen weg gingen und ihre Hinterlassenschaften irgendwann in der Lage sein werden, Teller zu spülen, Bier zu holen oder meine Pension zu bezahlen.

Unterm Strich reisten also vor einigen Tagen elf Erwachsene und drei Teppichratten nach Cala Millor (wobei das mit den Ortsnamen auf Mallorca ja immer so eine Sache ist). Wir waren hier:

 

Und gewohnt haben wir hier.

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Es gab das übliche Brimborium vor der Reise: Flüge buchen, Autos mieten, Zimmer verteilen, Einkaufsliste schreiben, Geld sammeln.

Das kleine Wort „üblich“ steht dabei schon relativ symbolisch für den gesamten Urlaub. Es soll bitte nicht verwechselt werden mit „gewöhnlich“ oder gar „langweilig“. Um Gottes Willen. Üblich kommt ja – so bilde ich es mir ein – von üben, mithin also von erfahren. Wir waren einfach eingegroovter in dem ganzen Handling. Wir kannten ein paar wichtige Fallstricke, wir wussten, worauf zu achten war, erinnerten uns, was beim Letzten Mal blöd war.

Wir sind nicht kopflos geflasht durch die Gegend gelaufen und das Hirn hämmerte auch nich die ganze Zeit „AAAAAAAAAAALLLLLTTTAAAAAAAA, ne Finca…. mit Pool. Und Bäume… Kuckma, die Bäume… Und AAAAAAAALLLLTTTTAAAAAAAA, voll mallorquinisch hier alles…“ Der Blick aufs Ganze war abgeklärter, rationaler. Das war einerseits etwas schade, man konnte diese Rationalität mit einem Mangel an Freude verwechseln. Andererseits war es aber auch irgendwie praktisch.

Die Reihenfolge unseres Eintreffens war wieder ein wenig den äußeren Umständen geschuldet. Ein paar Leute fuhren schonmal vor und machten schonmal ein bisschen Hotel-Urlaub. Die wurden dann eingesackt und zur Finca mitgenommen, andere kamen abends dann nach. In der Zwischenzeit hatten die Erstankömmlinge bereits den initialen Einkauf bewältigt.

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Dieses Einkaufen ist aber auch eine unfassbar lästige Angelegenheit. Ich hasse es schon zuhause. Und da kaufich üblicherweise für zwei Personen ein. Gehma in den Supermarkt und hole Futter und Geraffel für 14 große und kleine Menschen.

Seitdem hasse ich übrigens Kokosflocken. Man findet die schon nur schwer in deutschen Supermärkten, die ja nach einer gewissen Systematik sortiert sind. Aber die mallorquinischen Supermärkte wirken ja manchmal so, als wenn einer mitnem Bulldozer einfach alles irgendwohin gekippt hat. Und dann kommt ein zweiter Bulldozer und würfelt nochmal alles durcheinander. Wer also auch immer Kokosflocken auf den Einkaufszettel geschrieben hatte: Sorry, ich hatte echt keinen Bock mehr zu suchen…

Die Idee, mit vollbekofferten Autos zuerst einkaufen und danach zur Finca zu fahren, wurde zügig verworfen. Hihi, ich stells mir grad vor: zwei mittelgroße Autos mit fünf Erwachsenen, einem Kleinkind und Gepäck und Gedöns für viele Tage Urlaub. Und dann Einkäufe für 14 Leute oben drauf… Wir hätten so Clownsautos gebraucht…

Also erst Haus, Koffer ausladen, einkaufen fahren. Die Einkaufstätigkeit wurde für den Rest der Zeit dann halbwegs fair auf fahrtüchtige Mitreisende verteilt.

Nachdem die Kühlschränke gefüllt und die Zimmer verteilt und bezogen waren, öffneten wir – jetzt dann endlich doch ein bisschen mit kindlicher Freude – das Gefrierfach, in dem schon ein paar Büchsen Bier wohnten. Mit denen haben wir uns dann auseinander gesetzt, nebenbei ein bisschen gechillt, das Haus erkundet, Essen vorbereitet.

Per Whatsapp haben wir den Reisestatus der anderen erfragt, sachdienliche Hinweise zur Fahrt gegeben und uns gefreut. Irgendwann waren wir dann vollzählig, es gab den obligatorischen Willkommensschnaps, viel Geplapper, Zimmer-Deals, anschließend gings ans Grillen. Leider hatte uns der Vermieter, der unglaublich freundlich, kompetent und der deutschen Sprache mehr als mächtig war, untersagt, mit einem herkömmlichen Grill zu grillen. Vor nicht allzu langer Zeit hätte die halbe Insel in Flammen gestanden, deshalb ist das wohl irgendwie verboten. Wir sind dieser Behauptung nicht nachgegangen, sondern haben friedlich gehorcht. Werden wir alt?

Das führte dazu, dass aus einem gemächlichen Holzkohle-Grill-Vorgang so eine Art Grillfleisch-Inferno wurde. Gas. Fetzt einfach nicht. Is was für ältere Herren, für die Grillen nicht mehr ist, als die Überführung eines Stückes Fleisch vom nicht essbaren in den essbaren Zustand. Hierfür empfehle ich dann eher Herd und Pfanne. Laaaaaaaaaangweilig…

Nachts wurde wieder gebadet. Tradition ist Tradition.

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Wenn wir nicht gegrillt haben, haben wir gekocht, am letzten Abend gabs Essen von außerhalb. Das hat prima geklappt. Mit elf Leuten und drei Kindern geht man nichmal eben so ins nächste Restaurant und klönt drei Stunden bei gutem Essen und Wein. Diese Tatsache ist ja keinesfalls neu, stellte uns dann aber doch vor eine Herausforderung: Wo gibts denn Essen außer Haus? Am letzten Abend soll niemand mit der Vor- oder Zubereitung von Lebensmitteln belästigt werden. Unser Vermieter half, wir bestellten Essen bei zwei Restaurants, das wir selber abholten. Nicht ganz so komfortabel, aber aushaltbar. Während wir an allen anderen Abenden die Hauptterrasse bevölkerten, nahmen wir am letzten Abend das Essen am Pool ein.

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Die Kinder schliefen, wir aßen und tranken, die Welt war rund und schön (fast so, wie eine der Daheimgebliebenen 🙂 ). Abends riefen wir noch einen jungen Mann an, der Geburtstag hatte und leider, wegen eben jener Deformation seiner Ehefrau, nicht an der Reise teilnehmen konnte.

 

Sonst noch was?

Eigentlich gibt es an dieser Stelle nichts zu berichten, was außergewöhnlich aufregend oder noch nie dagewesen war. Alles lief. Alles war prima.

Dass Kinder frühmorgens etwas eher aufstehen als die, die abends etwas länger sitzen, war spätestens nach dem ersten solchen Abend klar. Und wenn die, die morgens etwas später aufstehen, dann aus müden Augen dreinblickend die Terrasse betreten und nach Kaffee suchen ist auch klar, dass ein gemeinsames Frühstück – wenn überhaupt – genau dann stattfindet, wenn die Kiddies frühstücken. Fakt. Punkt. Fürs nächste Mal. Aber niemand war sauer oder enttäuscht, dass der Frühstücksvorgang insgesamt etwas gezogener ist.

Was war noch? Fußball! Zwei Spiele durften wir sehen. Eines drinnen (ätzend), eines draußen (cool). Wir gönnten uns den Luxus eines eigenen Moderators…

Wir forderten unseren Vermieter einigermaßen, der Fernseher ging kaputt. Sensationell: einen Tag später kam er mit einem Techniker, der versuchte, das Dingen instand zu setzen. Gingso. Zwei weitere Tage später kam der Vermieter mit einem neuen Fernseher. Applaus Applaus!

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Skurriles? Gabs nicht wirklich. Die Person, die aus den letzten Mallorca-Reiseberichten (kuckstu hier) als Tora bekannt ist, hatte scheinbar ein Faible dafür, Hosen irgendwo rumliegen zu lassen. Unterhosen, Oberhosen, egal… Immer lag eine seiner Hosen irgendwo draußen rum. (War das ein Zeichen dafür, dass Tora im Haus war? So wie im Bundespräsidialamt? Flagge hoch, Präsident da… Ich weiß, das stimmt nicht…) Und – das finde ich jetzt wirklich witzig – Tora blieb mit Familie dann noch ein paar Tage länger auf Mallorca, in einem ganz tollen Haus in Colonia de Sant Pere. Nur spanisches Fernsehen, kein Internet. Tora im Brustton der Überzeugung: „Super. Endlich mal abschalten, lesen, vögeln, das Wetter genießen.“

Nach zwei Tagen hatte er davon die Schnauze voll und schrieb im Gruppenchat, dass das alles irgendwie Mist ist mit diesem fehlenden Internet. Es kommt besser: Es gab ja noch ein Fußballspiel und er wollte das irgendwie auf einem großen Fernseher sehen. Das nächste Hotel in der Nähe hatte wohl einen, er ging hin und fragte, ob er zum Spielkucken hinkommen darf. Der Clou: das Hotel war ein Nudistenhotel, er hätte kucken dürfen, aber nur nackt. Was is da los? Ich gebe zu, dass mir das auch nur berichtet wurde, vielleicht kann Tora das ja richtig stellen…

 

Achja, Kinder

Ist jemandem aufgefallen, dass in dem bisherigen Text Kinder fast keine Rolle gespielt haben? Das hat einen Grund: sie fügten sich unglaublich nahtlos in den Urlaub und die Reisegesellschaft ein und waren – ich denke, ich spreche für alle – eine tolle Bereicherung. Ganz bestimmt war es nicht immer einfach, sie bestimmen eben den Tagesablauf, sie brauchen Aufmerksamkeit, und ja, sie schreien auch mal. Aber wenn man sich darauf einlässt, ist das vollkommen in Ordnung.

Und nein: wir sind nicht schwanger. Diesem Thema (in erster Linie den Gesprächen darum) widme ich bei Gelegenheit mal einen eigenen Blogpost.

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