Sa Riera – Teil 4

Die Tage verfliegen. Das ist ja allgemein üblich während eines Urlaubs. Ein paar Dinge werden Routine: Sport, Frühstück, Einkaufen, Abendessen, Zusammensitzen und Musik hören, wie man das eigentlich auch zuhause macht. Routine ist gut, sie sorgt dafür, dass wir überhaupt in der Lage sind, Einmaliges zu erkennen.

Von zwei Abenden will ich noch erzählen, die quasi ein wenig aus der Routine fallen: El Arenal und unser Abschiedsessen…

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El Arenal

Es findet sich eine kleine Gruppe – ziemlich genau die Hälfte – zusammen, die einen Abend lang am Ballermann feiern wîll. Feiern. Am Ballermann. Ich gehöre nicht zu der Gruppe, jeder, der mich kennt, hätte das jetzt auch vermutet.

Alexandra, Daniel, Manfred, Tora, Linus und Jolanda kaufen sich so ein lustiges Ticket, mit dem sie von Can Picafort nach Palma und zurück fahren dürfen. Irgendwie ist auch noch ein bisschen Eintritt für irgendwas mit drin.

Tora erklärt mir, dass sie Opportunistin ist und dass sie versucht, aus jeder Situation das Beste zu machen. Eine grundsätzlich ehrenhafte Einstellung, aber die hat Grenzen. Und der Ballermann liegt – zumindest, was mich angeht – weit jenseits der Grenze. Für Tora jetzt übrigens auch 🙂

Wir fahren die Sechs also zur Bibliothek in Can Picafort, das so ziemlich einsamste Gebäude in diesem Ort. Hier werden sie abgeholt. Eine Flasche mit zu hell geratener Cola haben sie sicherheitshalber dabei, wer weiß, wie die Fahrt so ist. Alles, was dann folgt, wurde mir so erzählt oder im Laufe des Abends über Whatsapp geschrieben.

Schon die Hinfahrt scheint anstrengend. Der Bus hält an jedem Strauch. Sie erhalten den Hinweis, dass es im gesamten Gefährt nur zwei Kotztüten gibt. Es soll ja Menschen geben, die Busfahrten nicht so vertragen :-). In gebrochenem Deutsch erhalten sie Hinweise, wo man denn am besten Saufen kann. Dann Funkstille.

Der Rest von uns hat derweil beschlossen, nach Porta Alcudia zu fahren. Der Rest – das sind Sandrow, Manuela, Michaela und meine Wenigkeit. Jens und Mark sind shoppen und anschließend romantisch essen. Hierüber ist nicht viel bekannt :-).

Zuerst gehen wir einen Happen essen und greifen ins Klo. Von den Getränken abgesehen ist nur Michaela mit ihrem Essen zufrieden… Aber das Bier war lecker…

Getränke

Getränke-Gläser von unten

Nachricht vom Ballermann: ‚Sind Pizza essen, Alexandra ist damit ziemlich unglücklich.‘ Das ist die entschärfte Variante… Ich finds gut, Pizza im Magen scheint mir eine solide Grundlage für Bierkönig und Riu Palace.

Wir schauen zuerst Boote an und danach Fußball. Der Abend erinnert mich ein wenig an einen typischen Urlaubs-Ausflug mit meinen Eltern damals. Zuerst irgendwo essen gehen, dann irgendwas ankucken, Fotos machen, anschließend irgendwo hinsetzen und fernsehen. Was mir damals langweilig vorkam, erscheint mir ausnehmend entspannend.

Boot

Boot

Die Ballermann-Crew meldet sich: Irgendwer hat Bierkönig-WM-T-Shirts besorgt. Die Leute sind mal hier und mal da zum Feiern und Spaß haben. Jolanda ist wenig begeistert und nicht unglücklich, als alle die Rückfahrt antreten.

Nachts um vier erhalte ich einen Anruf, dass jetzt alle vorne vorm Tor stehen, einen Schlüssel durften sie nicht mitnehmen. Es wird bunt durcheinander geschwätzt, wenn ich das richtig verstehe, sind Alexandra und Daniel die beiden einzigen, die den Abend schön fanden. Tora hat eine Flasche Wodka dabei, die es in einem Club so zum Mixen dazu gab. Sie bietet mir was an, ich lehne ab…

 

Abschiedsessen

Mark und Jens haben ein tolles Lokal in einem Ort gefunden, in dem tatsächlich noch niemals jemand sonst aus unserer Gruppe war. Das ist ziemlich unwahrscheinlich, allein Jolanda war bislang wohl 16 Mal dort…

Colonia de San Pedro heißt der Ort und er liegt nördlich der Verbindungsstraße von Can Picafort nach Arta. Nur wenige Touristen scheinen sich hierhin zu verirren, an der Strandpromenade ist fast nichts los.

Wir hatten einen Tisch für 12 Personen bestellt, und man ist vorbereitet. Die Tafel ist geschmackvoll eingedeckt. Nicht pompös, aber sehr ansprechend. Wie wild bestellen wir Wein, Bier, Säfte, Cola und Wasser, es wird ausgiebig geschnattert und geplaudert. Das Essen beginnt mit einer hervorragenden Vorspeise, die Hauptgerichte an sich sind vorzüglich.

Essen

Essen, wer jetzt keinen Hunger bekommt…

Das tollste – wenn es neben gutem Essen und hervorragendem Wein so etwas noch geben kann – ist allerdings der Ausblick auf einen Sonnenuntergang über dem Meer. Naja, fast über dem Meer, ein paar Felsen ragen dazwischen.

Die Stimmung ist deutlich spürbar gedrückt, der letzte Abend, unsere Wege trennen sich am nächsten Tag. Es wird resümiert, erinnert, zurück geblickt. Immer wieder schaut jemand traurig aufs Meer und schweigt.

Wir fahren zurück und verbringen einen letzten gemeinsamen Abend. Jeder packt seinen Krempel, das dauert mal mehr mal weniger lang. Der Plan sah vor, nochmal in den Pool zu hüpfen. Auch daraus wird nix, die Stimmung gibt es nicht her, manchmal ist das so. Ein letztes Mal sitzen wir gemeinsam auf der Terrasse, trinken ein paar Biere, erzählen. Manche sind still…

2 Gedanken zu „Sa Riera – Teil 4

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