Sa Riera – Teil 3

Mit leichten Rückenschmerzen aber ansonsten körperlich unversehrt drehe ich mich ein letztes Mal um und beschließe, dass es doch keinen Sinn mehr hat, weiterhin nach Schlaf zu suchen. Das Licht kommt aus einer anderen Richtung als ich es von zuhause gewöhnt bin, Jolanda liegt in der üblichen Haltung und sogar auf der üblichen Seite neben mir. Ich glaube, sie schläft auch nicht mehr, und gehe dem Ganzen auf den Grund. Tatsächlich…

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Entspannung

Es ist ein gutes Zeichen – das hab ich erst letztens gelesen – wenn man morgens zu ähnlichen Zeiten wach wird. Man kann daran erkennen, dass man erholt ist. Meine morgendliche Aufwachzeit für den gesamten Urlaub war so gegen neun, vielleicht halb zehn. Unabhängig davon, wie lang die Abende waren. Ich nehme das wohlwollend zur Kenntnis.

Das Urlaubsgefühl, das ich in Anlehnung an einen guten Freund gerne “Grundschwere” nenne, stellt sich bereits am ersten Tag ein. Es ist eine Mischung aus Entspanntheit und Müdigkeit. Zum Glück wird das ja kein Aktiv-Urlaub hier…

 

Gepflegtes Chaos

Alles läuft etwas langsamer, weniger hektisch ab. Niemand hat es eilig, jeder übt sich irgendwie im Warten, wenns nötig ist. Das beginnt schon beim Frühstück. Allein die Vorbereitung der ersten Mahlzeit des Tages dauert etwa anderthalb Stunden. Tisch decken, Eier kochen, Brötchen aufbacken und den vollständigen Kühlschrankinhalt auf dem Tisch drapieren sind erst die harmlosen Dinge.

Da werden Erdbeeren geschält, Kiwis geputzt und Bananen geschnitten. Da wird püriert, zerkleinert, verrührt und gekostet. Cirka zehn Leute löffeln, braten, klappern, räumen und schaffen. Die Küche gleicht einem Bienenstock. Etwa 95 Prozent der Küchenausstattung ist in Benutzung, niemand weiß, warum.

Und immer ist zu wenig Kaffee am Start. Wenn einer eine Finca hat, in der 14 Leute gleichzeitig wohnen können, dann müsste man doch einen Industrie-Automaten hinstellen, oder?

 

Sport machen

Lange vor Antritt der Reise begann so eine Art Wetteifern um die beste Bikini- und Urlaubsfigur. Das war jedenfalls mein Eindruck. Menschen, die grundsätzlich toll, gesund und nicht bis wenig überverpflegt aussehen, begannen, aktiv Sport zu machen, auf ihre Ernährung zu achten, diätetisch zu leben. Das setzte sich auch im Urlaub fort. Jeden Morgen geht irgendwer laufen oder schwimmen. Unsere erste Lauferfahrung ist abenteuerlich. Vorbei an brachliegenden Grundstücken, über Parkplätze, Sandwege und Landstraßen bahnen wir uns irgendwie einen Weg zum Haus zurück.

jockink

Joggin-“Strecke” vom ersten Mal. Ziemlich wirr…

Das muss besser werden. Wird es auch.

Die neue Laufstrecke führt uns fast ausschließlich geradeaus etwa 2,5km vom Haus weg und wieder zurück. Klingt einfach. Wenn man Berliner flachgefurzte Strecken gewohnt ist, macht einem die dortige Steigung auf kurzem Weg aber doch ordentlich zu schaffen. Dafür entschädigte der Blick in die umliegenden Grundstücke. Manchmal hat man den Eindruck, dass eine Postkartenfirma hier kleine, eingemauerte Ländereien pflegt…

Grundstück entlang unserer Jogging-Strecke

Grundstück entlang unserer Jogging-Strecke

Schafe blöken unterm Feigenbaum, die etwas hochwertigen Fincas haben Wachhunde. Wir sehen Truthähne, Pferde, Tauben. Mein Eindruck ist, dass der Mallorquiner nicht sehr emotional mit seinen Tieren umgeht, wenn man sich anschaut, wie die manchmal gehalten werden.

Ziemlich übel setzt mir die Sonne zu, es gibt kaum Schatten auf der Strecke. Der Asphalt flimmert, morgens halb zehn. Naja, Zähne zusammenbeißen, schwitzen, bräunen. Auch mal das positive sehen… So ein bisschen entschädigt der Blick, der sich einem öffnet, wenn man den Kopf hebt:

Blick auf die Landschaft

Manch einer, der nicht laufen geht, schwimmt. Im Pool. Im zwölf Meter langen Pool. Also eigentlich schwimmt man nicht, man wendet. so um die 70 oder 80 Mal…

Neue Trendsportart könnte die so genannte Sieben-Minuten-App werden, die es für Smartphones sämtlicher Coleur gibt. Die sportliche Taktik dahinter: Machma ein paar Minuten Sport nur mit dem, was dir dein Körper an Gewichten und Widerständen zur Verfügung stellt. Vielleicht mehrmals hintereinander. Reicht. Zumindest dafür, ordentlich ins Schwitzen zu kommen.

Ansonsten wird Tischtennis gespielt, Strandtennis, Frisbee und ein seltsames Spiel mit dem merkwürdigen Namen “Ball-so-doll-wie-möglich-zuwerfen-wer-nich-fängt-macht-Liegestütze”. Die letzten drei Spiele fanden vornehmlich am Strand statt.

Und wir spielten tatsächlich Skat. Wie geil…

Skat spielen

 

Sport kucken

Es ist WM. Fußball. In Brasilien. Einen Tag vor unserem Abflug hat Brasilien gegen Kroatien den Wettbewerb eröffnet. Wieso Brasilien Titel-Favorit ist, versteh ich nicht.

In der Finca haben wir einen Fernseher. Er ist zu klein, aber dafür haben wir Sateliten-TV und können die Spiele im deutschen Fernsehen schauen. Interessant wird es am Dienstag, wenn Deutschland die Portugiesen platt macht. Und wie :-). Am Tag des Spiels nehmen wir kleinere bauliche Veränderungen an der Terrasse vor, stellen Bier kalt und bekleiden uns mit Fußball-Devotionalien. Das Spiel beginnt, Christiano Ronaldo ist schön, aber zu langsam. Deutschland gewinnt, wir sind glücklich.

Alle anderen Spiele verfolgen wir mehr oder weniger intensiv, aber immer so, dass niemand beleidigt ist, weil andere nicht an irgendwelchen Aktivitäten teilnehmen.

Nach dem zweiten spanischen Vorrundenspiel steht fest, dass der amtierende Weltmeister nach Hause fahren wird. Am nächsten Tag war es irgendwie ruhiger auf der Insel…

 

Fotos?

Nein, Fotos gibt es hier nicht allzu viele, diese Texte sollen eher das bildliche Vorstellungsvermögen stimulieren, abgesehen davon kann und will ich nicht entscheiden, welche Köpfe, Bäuche und andere Körperteile welcher Leute im Internet zu sehen sein sollen.

Das bedeutet nicht, dass wir keine Fotos gemacht haben. Etwa 80 Smartphones, Kompakt-Kameras und auch eine Spiegelreflex-Kamera waren dabei. Tora hat super Fotos gemacht, mal schauen, ob demnächst noch ein paar gesichtslose Fotos den Weg in diesen Blog finden…

 

Zu Teil 4

2 Gedanken zu „Sa Riera – Teil 3

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