Sa Riera – Teil 1

In einer guten Stunde geht der Flieger. Ich stehe hier mit meiner Frau an meiner Seite, mir gegenüber Michaela und Linus. Wir trinken Schnaps. Es wird geraucht. Fünf Uhr morgens… Was war passiert?

Was ich im Folgenden zum Besten gebe ist meine ganz persönliche Sicht auf eine Woche, die ich mit Fug und Recht als außerordentlich schön in Erinnerung behalten werde. Ich erwarte nicht, dass meine Mitreisenden jedes einzelne Detail so bestätigen werden, würde mich jedoch wundern, wenn ich großflächig falsch liege.

 

Los gehts

Michaela fliegt zum ersten Mal. So überhaupt. Mit 42. Deshalb der Schnaps. Und wir sind auf dem Weg nach Mallorca, wir sind die ersten vier von insgesamt 12 Leuten, die auf der Insel ankommen. Deshalb fünf Uhr morgens. Naja, das ist nicht ganz richtig, das lest ihr später…

Wir haben uns – zusammen mit Alexandra und Daniel, Manuela und Sandrow, Mark und Jens sowie Manfred und Tora – eine Finca gemietet und verbringen eine Woche gemeinsam.

 

In Erinnerung an alte Zeiten

Das Gefühl gleicht dem Aufbruch zum Ferienlager damals, in längst vergangenen Zeiten, eine Mischung aus Aufgeregtheit und Verunsicherung angereichert mit der Gewissheit, dass es eine geile Zeit wird. Wahrscheinlich. Hoffentlich…

Die Umstände sind weitaus luxuriöser als Ferienlager, wir haben uns für diese eine Woche ein 320qm-Haus mit eigenem Pool, sieben Zimmern und Bädern, mehreren Terrassen, zwei Grillplätzen, mehreren Kühlschränken und einer großzügiger Außenanlage gemietet. Das Grundstück hatte angeblich 18.000qm, in Ermangelung eines Zollstocks hab ich das so hingenommen. Es kam mir aber kein Stück größer vor als 12.518qm.

Bis wir das alles zu Gesicht bekommen, wird es noch ein bisschen dauern.

 

Ferienflieger

Wir steigen in das Flugzeug, Michaela, voll die Vielfliegerin, nimmt sich eine Zeitung, setzt sich auf den Platz und ignoriert das Geschehen um sie herum. Ich erinnere mich an meinen ersten Flug, mir ging ziemlich der Stift… Es kann losgehen. Ganz ferienfliegermäßig ist das Flugzeug voll mit Bierkönig-Strohhüten und jungen Männern in kurzen T-Shirts und geschmacklosen Jogginghosen. Man reist in Schlappen…

Gut zwei Stunden und mindestens ein Dosenbier später klatschen alle Ballermann-Touris zur Landung (wann klatscht mir endlich jemand Beifall, wenn ich meine Arbeit anständig mache?), wir verlassen das Flugzeug und rennen zum Gepäckband. Das, was mit uns aus dem Flieger gespült wird, ist der Grund, warum die Mallorquiner die Schnauze voll haben. Ghetto-Blaster, Mallorca-Gesänge. „IHR SEID HIER ZU GAST, BENEHMT EUCH“ will ich schreien. Gepäck, Leihwagen, weg hier.

 

Wo zum Henker…

Nächster Halt: eine Tankstelle irgendwo östlich von Palma. Haben uns verfahren, suchen nach dem korrekten Weg, das geht schnell, Mallorca ist ja klein. Wir hätten zurück nach Palma fahren können und die richtige Autobahn suchen. Für Rückwege ist Mallorca ZU klein…

Irgendwann: Can Picafort und der Versuch, Manfred und Tora zu treffen. Die sind nämlich seit ein paar Tagen da und machen Pärchenurlaub… Geht alles in die Hose, stattdessen: Eiskaltes San Miguel am Strand. Es könnte schlimmer sein.

Wir beschließen irgendwann, schonmal in Richtung der Finca aufzubrechen, durchqueren Can Picafort, nehmen zwei Kreisverkehre, fahren, biegen falsch ab, suchen, ohne Ergebnis. Ein paar Tage später stellen wir fest, dass wir schon an der Rückseite der Finca vorbeigefahren sind. Wurscht. Die Alternative: ein schattiges Plätzchen in einem netten Lokal, wir sitzen unter Oleander und Oliven, es duftet, die Sonne scheint durch die Blätter. Es bestünde die Möglichkeit, für immer dort sitzen zu bleiben. So schön…

Nach und nach erreichen wir die Anderen, telefonisch. Wir geben Standort und Biertemperatur durch, alle kommen.

Es gibt Paella, Michaela verputzt ein Schnitzel. OK, weil Du es bist…

Sandrow ruft an und kommt uns abholen. ‚Wie, ihr seid schon da? Coolio‘ denke ich und mache das Auto auf. Durchlüften. Gepäck auf andere Autos verteilen. Sandrow biegt auf den Parkplatz, es wird gedrückt und gefreut, als hätten wir uns ein halbes Jahr nicht gesehen. Die Spannung steigt, alle besteigen die Autos. Sandrow vorne, alle anderen hinterher, setzen wir uns in Bewegung. Die Zufahrt zur Finca, ja, geht so, ein großes eisernes Tor öffnet sich, dahinter Oliven, flache Mauern, betonierter Boden in der Auffahrt. Hier und da blühen Pflanzen, es überwiegt grün und braun. Hinter den Bäumen taucht das Haus auf. Geil. Hinter dem letzten Auto schließt sich das Tor. Abgeschnitten von der Welt. Abgesichert…

 

Teil 2 gibts hier

5 Gedanken zu „Sa Riera – Teil 1

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